Die Entwicklung des Fortschritts

Florian Schwalt war leitender Ingenieur bei der Entwicklung der neuen Propellermaschine TR8 von TechnoAlpin. Zusammen mit seinem Team arbeitete er an der Vereinfachung der Schneeproduktion und revolutionierte letztendlich mit der TR8 den Beschneiungssektor. Im Interview gibt Florian Schwalt Einblick in die Entstehung der neuen Innovation von TechnoAlpin.

Was war die Grundidee bei der Entwicklung der TR8?

Die Grundidee bei der Entwicklung der TR8 war es eine neue Propellermaschine im mittleren Leistungsbereich zu entwickeln, mit einer moderaten Drehzahl und stabilem Aufbau, die eine höhere Resistenz für den Betrieb mit Unwucht hat und eine weniger störende Geräuschkulisse aufweist.

Bei jeder Neuentwicklung eines Schneeerzeugers gibt es immer drei Hauptziele. Zum einen soll die Schnei-Performance maximiert werden. Dies bedeutet für uns die Herstellung optimaler Schneequalität in jedem Temperaturbereich, vor allem bei Grenztemperaturen.

Zum anderen gilt es die Energieeffizienz eines Schneeerzeugers zu verbessern. Dies bedeutet so viel und so trockenen Schnee mit so wenig elektrischer Energie wie möglich zu produzieren.

Nicht zuletzt ist es aber auch wichtig, die Lärmemission so niedrig wie möglich zu halten. Nicht nur der Schalldruckpegel soll abgesenkt werden, sondern auch der Ton der Maschine soll in einem angenehmen Bereich bleiben.

TR8-010
Florian_Schwalt

Ergeben sich auch durch das neue Design technische Vorteile?

In unserer Entwicklungsarbeit geht es immer um den technischen Vorteil. Die schöne Optik kommt erst hinterher, wenn wir technisch schon relativ weit sind. In diesem Fall ging es uns darum, Schneeablagerungen und Aufeisungen zu vermeiden. Außerdem wird der Transport vereinfacht, wenn es keine überstehenden Teile gibt. Ebenso können die Abdeckplanen im Sommer viel leichter montiert werden.

Wie kann man sich die Prozesse bei der Entwicklung eines neuen Produktes vorstellen?

Am Beginn eines Projektes ist es wichtig zu wissen, wo die Reise hingehen soll. Es muss daher genau spezifiziert werden, über welche Eigenschaften das Produkt verfügen soll. Wenn dies feststeht, muss geprüft werden, welche Mittel zur Verfügung stehen. Der Stand der Technik ändert sich rasend schnell – daher ist es wichtig immer auf dem Laufenden zu sein. Für eine kostenoptimierte Gestaltung der Produkte kümmert sich der „strategische Einkauf“, der bereits während der Konzeptionsphase hilft, günstige Lösungen zu finden und geeignete Lieferanten für die jeweiligen Komponenten sucht. Um die Produktsicherheit von Beginn an sicherzustellen, gibt es einen sogenannten „CE-Beauftragten“. Diese Person steht den Projektleitern mit Rat und Tat zur Seite, wenn es um Risikobeurteilung, Normen und Zertifizierungen geht.

Bei der Entwicklung einer neuen Propellermaschine gilt es von Beginn an die Mechanik, Elektrik, Elektronik und Software zusammen zu bringen und die einzelnen Entwicklungsschritte aufeinander abzustimmen. Im Normalfall dauert es zwei bis drei Wintersaisonen, bis wir zur Vor-Serie gelangen. Im Dezember 2016 konnten wir 50 Vor-Serienmodelle der TR8 dem Verkauf für Kundenvorführungen zur Verfügung zu stellen. Diese Kundenvorführungen sind für uns extrem wichtig, damit wir vor der Serienproduktion das Feedback von möglichst vielen Kunden unter verschiedensten Bedingungen bekommen und es in die Weiterentwicklung einarbeiten können.

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Wie viele Menschen arbeiten an einem solchen Projekt?

Es braucht immer ein starkes Team um erfolgreich zu sein. Wir haben ca. 30 Mitarbeiter in der Abteilung Produktentwicklung. Das Team in Bozen (Italien) befasst sich vordergründig mit der Entwicklung von Propellermaschinen, ein weiteres in Nantes (Frankreich) ist vor allem mit der Entwicklung von Schneilanzen beschäftigt. Konkret an der TR8 haben zehn Personen gearbeitet, aber bis zum Ende hin gibt es wohl kaum eine Person in der Produktentwicklung, die nicht in irgendeiner Weise zum Gelingen eines Projektes beiträgt.

Wie ist das Verhältnis zwischen der Entwicklung am Computer und jener im Feld?

Heutzutage kann natürlich viel am Computer gemacht werden. Im 3D-Modell sieht man den physikalischen Aufbau ganz genau. In unterschiedlichen Simulationen können die Beanspruchung aller Bauteile ermittelt, sowie die Strömungsvorgänge und die gegenseitigen Einwirkungen voneinander unabhängiger Körper simuliert werden.Das Problem ist aber, dass 3D-Modelle und Simulationen am Computer vereinfachte Modelle sind und derzeit noch in keinster Weise alle Einflüsse der Realität widerspiegeln. Besonders die noch unvollständig erforschten Vorgänge bei der Schneeerzeugung sind nicht realitätsgetreu. Daher sind Prototypenmontagen und Feldtests bei der Optimierung von Schneeerzeugern unabdingbar. Erst im Feld zeigt sich, ob die Ideen und Überlegungen auch in der Praxis funktionieren. Die vielen Schneitests sind dabei natürlich nur durch die Unterstützung unserer Testgebiete möglich. Für diese gute Zusammenarbeit sind wir äußerst dankbar.